2012/10/26

Skövde, die unerwünschte Stadt Schwedens

Die Geschichte Skövdes beginnt im Grunde mit der Legende der Heiligen Elin (Helena), obwohl der Ort mit Sicherheit schon vor dem 12. Jahrhundert existierte und die Legende mehr von katholischen Mönchen verbreitet wurde, die damit dem Ort eine besondere Bedeutung gaben als auf Tatsachen aufbaute. Allerdings führte diese Legende auch dazu, dass man noch heute im Stadtwappen eines protestantischen Landes eine katholische Heilige findet, die zudem die Schutzpatronin Skövdes ist.

Skövde hatte seine Glanzzeit zwischen dem 12. Jahrhundert und dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Während der Reformation unter Gustav Vasa wollte man jedoch so bedeutende katholische Hochburgen wie Skövde, das zudem täglich von Pilgern besucht wurde, am liebsten ausradieren, beließ es dann jedoch dabei die Stadt nur zu plündern und sie so unattraktiv wie möglich zu machen.

Der Helensparken in Skövde mit den ältesten Häusern der Stadt

Gustav Vasa hatte dieses Ziel in gewisser Weise auch erreicht, denn zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Skövde zu einer der kleinsten Städte der Region geschrumpft, wobei man im Jahre 1700 gerade noch 154 Einwohner zählte. Langsam ging es jedoch wieder aufwärts mit der Stadt, bis dann im Jahre 1759 ein Großbrand nahezu ganz Skövde zerstörte. Dieser Brand ist auch die Ursache, warum man nur noch im Helénsparken ein Gebäude finden kann, das weiter in die Vergangenheit der Stadt zurückreichen als bis zu diesem Großbrand.

Aber nicht nur der Großbrand zerstörte historische Bauten, denn Mitte des 20. Jahrhunderts wollte man Skövde zu einer modernen aufstrebenden Stadt machen und eine Vielzahl an Häusern, die kurz nach dem Brand entstanden waren, mussten nun den anonymen Bauten der 60er und 70er Jahre weichen oder wurden lediglich abgerissen und in Parkplätze verwandelt.

Wer einen Blick in das frühere Skövde sucht, muss den Helénsparken besuchen, eine Parkanlage, die auch für die Mittsommerfeiern und die Feiern am Nationaltag verwendet wird. Hier findet man eine Art Museumsdorf mit älteren Holzhäusern und die sogenannte Helénstugan, das einzige Gebäude des Ortes, das noch vor dem Brand im Jahre 1759 gebaut wurde.

Bei einem Besuch im Stadtmuseum von Skövde kann man dann einen tieferen Blick in die Entwicklungsgeschichte des Ortes werfen und taucht mit Hilfe von hunderten von Ausstellungsgegenständen in ein längst vergessenes Schweden, auch wenn sich das Museum auf die Geschichte der Stadt spezialisiert hat.

Im Kulturhaus in Skövde sind das Kunstmuseum und die Kunsthalle der Stadt untergebracht, wobei sich das Kunstmuseum auf schwedische Künstler des 20. Jahrhunderts spezialisiert hat und in der Kunsthalle an Hand von wechselnden Ausstellung Gegenwartskunst präsentiert wird.

Skövde ist in Schweden dafür bekannt, dass es, gerechnet an Einwohnern, den Rekord an Museen hat. Dies erklärt auch, warum man in einer Stadt mit knapp 35.000 Einwohnern auch noch ein Garnisonsmuseum, ein Sportmuseum, ein Museum der Modelleisenbahnen und ein Volvo-Museum findet, das die Geschichte von der Skövde-Giesserei bis zum Bau von Volvo-Fahrzeugen darstellt.

Auch wenn die Heilige Elin für Skövde eine wichtige Rolle spielt, so ist heute die Kapelle nicht mehr zu finden und die Quelle macht einen sehr modernen Eindruck. Und selbst von der Sankta Helena Kyrka, die vermutlich im 12. Jahrhundert an der Stelle der heutigen Kirche zu finden war, sind nur noch Fragmente vorhanden, da sowohl die Überfalle der Dänen als auch verschiedene Brände die Kirche immer wieder zerstörten. Die heutige Kirche wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und ist eine Mischung aus den verschiedensten Stilen.

In der Umgebung Skövdes findet man mehrere Naturschutzgebiete mit einer Vegetation, die bereits Carl von Linné im Jahre 1746 auf seiner Västgötaresa bewunderte und bis ins Detail beschrieb. Als der Botaniker dann in die Stadt Skövde selbst kam, wäre er vermutlich gerne zurück in die Natur gekehrt, denn er konnte an der damals sehr kleinen Stadt, die wohl mehr einem Dorf glich, kaum ein positives Wort widmen.

Wie sehr viele Orte in Schweden, so gibt es auch in Skövde ein Festival, das man bei einem seiner Besuche in Schweden erleben sollte, denn es handelt sich um ein Essensfestival (Matfestivalen), das jeweils am letzten Wochenende im August stattfindet und damit endet, dass von den Besuchern das beste Gericht des Jahres gewählt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

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